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Leitbild des Arbeitskreises „Stadtentwicklung und Verkehr“


Da Entwicklung und Auswirkungen auf die Umwelt ihren Ursprung im menschlichen Handeln auf unterster räumlicher Ebene (Kommune) haben, muss hier auch nach Lösungsmög-lichkeiten gesucht werden, die den Rahmenbedingungen der jeweiligen Kommune gerecht werden. Dabei soll nicht nur ein Gewinn an Lebensqualität, sondern letztendlich eine mess-bare Verbesserung der globalen Umweltsituation im Zusammenspiel der einzelnen Kom-munen erzielt werden.
Sauberes Wasser, gesunde Luft, lebensfähige Ökosysteme, gesunde und ausreichende Nahrungsmittel und genügend Rohstoffe sollen auch künftigen Generationen noch zur Verfügung stehen.

->> Themenschwerpunkte
->> Zentrale Nachhaltigkeitsziele
->> Die Reduzierung der CO2-Emission
->> Eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur
->> Erhalt der Lebensqualität
->> Erhöhung der Lebensqualität
->> Erstellung eines Radwegegutachtens für Pfungstadt
->> Fazit

Für den Arbeitskreis "Stadtentwicklung und Verkehr" haben sich vorerst zwei Themenschwerpunkte ergeben:


->> "Mobil ohne Auto" in Pfungstadt

->> Gestaltung der Eberstädter Straße nach Fertigstellung der Umgehungsstraße


B 426 neu (voraussichtlich 2004).
Beide Themen werden vom gesamten Arbeitskreis "Stadtentwicklung und Verkehr" bearbeitet, für einzelne Aktionen (z. B. Umfrage unter den Geschäftsleuten der Eberstädter Straße) sind kleinere Untergruppen gebildet worden.

Stadtentwicklungsplanung und Vorhaben sollen die Erhaltung und Erhöhung der Lebensqualität in Pfungstadt zum Ziel haben.
Verkehrsentwicklungsplanung und Verkehrsabwicklung orientieren sich an einer umweltschonenden, gesunden und sozial verträglichen, das heißt nicht an die Notwendigkeit eines Personenkraftwagens gebundenen Mobilität.

Die derzeitige Verkehrssituation in Pfungstadt ist – was Umfang und Belastung durch den PKW- und LKW-Verkehr angeht – schon lange an die Grenzen des Ertragbaren gestoßen, und dies besonders in der Eberstädter Straße (B 426) = Hauptverkehrsader.

oben

Zentrale Nachhaltigkeitsziele:

->> Verminderung der C02-Emission gemäß Beschluss der Bundesregierung vom
20.9.1994 mindestens auf die heute geltenden Grenzwerte (eventuell mit gestaffelten
Teilzielen in 5-Jahres-Schritten) à Reduktion der Abgase à Klimaschutz

oben

Die Reduzierung der CO2-Emission soll erreicht werden durch:

1. Reduzierung des Schadstoffausstoßes im Stadtgebiet (zu hoher Anteil an motorisiertem Individualverkehr)

2. eine Verringerung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) bei gleichzeitiger Verbesserung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) unter Berücksichtigung der Einführung einer preiswerten, im DA-DI-Bereich gültigen (und übertragbaren) Zeitkarte ("Umwelt-Abo") nach dem Beispiel anderer Städte und eine bessere Anbindung an den Nah- und Fernverkehr

3. Verbesserung des Radwegenetzes zu öffentlichen Einrichtungen in Pfungstadt, zu den örtlichen Arbeitsplätzen und in die Stadtteile

4. deutliche Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger (wo nötig auch zu Lasten des motorisierten Verkehrs!)

5. Ausstattung der städtischen Fahrzeuge mit regenerativen Kraftstoffen

6. ein attraktives Stadtbussystem und/oder ein Laufband entlang der Eberstädter Straße (Vorbild: Flughäfen)

7. Umsetzung entsprechender städtebaulicher Grundsätze (z. B. Orientierung, Verdichtungsgrad, Primärenergie)

8. Förderung von zentralen Heizungsanlagen für die Industrie- und Wohngebiete

oben

Eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur soll erreicht werden durch:

1. eine Weiterführung der Straßenbahn nach Pfungstadt

2. Wiederbelebung des Pfungstädter Bahnhofs als Dreh- und Angelpunkt für den außerstädtischen Verkehr (direkter Anschluss nach Darmstadt ohne Umweg über Eberstadt)

3. Errichtung eines Durchgangsbahnhofs (Darmstadt) an der geplanten neuen (ICE-) Bahnstrecke

4. deutlich bessere Anbindung der Stadtteile an die Kernstadt (derzeit fährt der letzte Bus nach Eschollbrücken bereits um 21.40 Uhr!)

Pfungstadts Wege müssen nicht nur für Radfahrer/Innen, sondern auch für Fußgänger/Innen sicherer werden – auch jene Wege, die Verbindung sind zu den Ortsteilen und Nachbarorten und als Schulwege genutzt werden. Wege und Trassen für Radfahrer/Innen und Fußgänger/Innen sind in Pfungstadt noch nicht in befriedigendem Umfange vorhanden.
Ein Radwegegutachten (unter Berücksichtigung der Richtlinien zur Gestaltung von Radverkehrswegen, ERA 95) wurde bereits im Rahmen einer Ausstellung in der Säulenhalle im Mai 2000 gefordert:
Pfungstadt soll eine "Stadt der kurzen Wege" werden!
Mobilität ist wichtig und Teil attraktiver Lebensqualität. Ein gut organisierter ÖPNV gewährt Mobili-tät und unterstützt die oben angeführten Maßnahmen.

oben

Der Erhalt der Lebensqualität soll erreicht werden durch:

1. Schutz und Erhalt der Grünflächen, Wälder und Naherholungsgebiete

Der Schutz der Pflanzenwelt ist oberstes Gebot und dient der Luftreinigung, erhält die Erholungsfunktion für die Bewohner/Innen der Stadt.

2. Vergrößerung des bestehenden Waldgebietes, wo immer es möglich ist. Die Begrünung der Stadt soll in größerem Umfang als bisher erfolgen.

3. Schutz der Naturlandschaft vor weiteren Eingriffen oder gar Zerstörung

4. weitestgehende Unterstützung derselben in ihrer biologischen Entwicklung, besonders
das Naturschutzgebiet Pfungstädter Moor (ist als natürliches Wahrzeichen der Stadt hervorzuheben)

5. Die Gewässerlandschaft der Modau im Bereich Pfungstadts (Renaturierung des Bachbettes; naturgerechtere Gestaltung der Uferbereiche)

6. Verbesserung der Wasserqualität

7. Überlegungen zum Nutzaspekt des Fließgewässers (Nutzung der Wasserkraft / Energiege-winnung / Wasserentnahme, Brauchwasserreserve)

8. sinnvolle, umweltverträgliche ökonomische Nutzung vorhandener Naturressourcen (z. B. Wasserkraft, Windkraft...)

9. Schutz der Bevölkerung vor Lärmbelastung (Straßen- / Bahn- und / Flugverkehr)

oben

Eine Erhöhung der Lebensqualität soll erreicht werden durch:

1. „Stadt der kurzen Wege“ (von der Wohnung zur Arbeitsstätte / Wege, die eine größere innerstädtische Mobilität und Flexibilität für die Bewohner/Innen bedeuten)

2. Erhaltung der Stätten örtlicher Kultur (Cafés, Kneipen, Gaststätten, Vereinshäuser, Geschäfte des Einzelhandels)

3. Förderung von Kultur jedweder Form (ortstypische Veranstaltungen durch geeignete Werbemaßnahmen unterstützen / Schaffung oder Einrichtung geeigneter Veranstaltungsorte – Bau einer Mehrzweckhalle?)

4. Förderung des Wohnungsbaus für Familien mit Kindern (städtebauliches Umfeld als sozialer Be-zug zur Wohnstätte ist besonders für Heranwachsende wichtig); Errichtung von Spiel- und Erholungsstätten; Erhaltung und Erhöhung der Wohn- und Aufenthaltsqualität

5. Schaffung von sozial ausgewogenen Wohnbezirken (Lenkungsfunktion des sozialen Wohnungsbaus berücksichtigen)
An bereits vorhandenen und weniger attraktiven Quartieren sind entsprechende gestalterische Verbesserungen zum Erhalt der städtischen Wohnkultur vorzunehmen.

6. Einbeziehung vorhandener (auch historischer) Bausubstanz in die Wohnungsplanung

7. weitest gehende Erhaltung historischer Bausubstanz (denkmalpflegerisch schützen!)

8. Einbeziehung bestehender „Ressourcen“ wie brachliegender Gebäude, Hinterhöfe und leerer Flächen in die Planung für eine soziale Wiederbelebung (privat oder öffentlich) à „Flächen- und Gebäuderecycling“.

oben

Erstellung eines Radwegegutachtens für Pfungstadt:

Es soll Grundlage zur Verbesserung der Radverkehrsbedingungen mit dem Ziel einer Steigerung des Radverkehrs in Pfungstadt sein.

Der Radverkehrsanteil beträgt derzeit ca. 7 %, eine Erhöhung dieses Anteils ist beabsichtigt.
Einzelne Maßnahmen zu einer sinnvollen Verbesserung der Radverkehrsverbindungen können nur dann voll wirksam sein, wenn sie in einen größeren Zusammenhang aufeinander abgestimmt werden.

Quellen und Ziele für Pfungstadt wichtiger Radverkehrsbeziehungen sollen sicher, bequem und möglichst direkt miteinander verbunden werden.

Die Wegeverbindungen sind derzeit noch lückenhaft (auch zu den Nachbarorten). Im innerstädtischen Bereich sind außer an Einfallstraßen kaum straßenbegleitende Radwege oder gute Alternativen vorhanden.

Auch ist die Oberflächenbeschaffenheit auf vielen Radwegen schlecht (s. auch Waldwege, die von Reitern benutzt werden!). Die Einrichtung überdachter Fahrradabstellplätze an strategischen Orten ist dabei zu berücksichtigen.

->> Reaktivierung des Pfungstädter Bahnhofs mit entsprechender Neugestaltung des Bahnhofsgeländes zwischen Eberstädter Straße und Berliner Straße.
Der Agenda-Arbeitskreis „Stadtentwicklung und Verkehr“ soll mit seinen Vorschlägen in die Planungen einbezogen werden.

->> Neugestaltung der Eberstädter Straße nach Fertigstellung der B 426 neu.

Ziel ist eine gestalterische Einkaufsstraße mit langsam fließendem Verkehr (30 km/h) unter Berücksichtigung auch der angrenzenden Nebeneinkaufsstraßen.
Der Agenda-Arbeitskreis hat bereits zwei Befragungen unter den ansässigen Geschäftsleuten und den Anwohnern
der Eberstädter Straße durchgeführt. Die Ergebnisse sollen bei der Neugestaltung Berücksichtigung finden.

In Pfungstadt ist der innerstädtische Verkehr zu 80 % „hausgemacht“. Durch die Ausweisung neuer Baugebiete ist mit einer Steigerungsrate (!) im Mittel von 30 % zu rechnen. Auch nach Fertigstellung der Umgehungsstraße B 426 neu ist noch mit einem verbleibenden Verkehrs-aufkommen von ca. 10.000 Fahrzeugen pro Tag zu rechnen.

Die Probleme des Verkehrs sind zwar erkannt, Busbeschleunigung und Lichtsignal-Bevor-rechtigung reichen aber noch nicht aus. Hauptaufgabe wird sein, eine nachhaltige Mischung aus Wohnen, Einkaufen und reduziertem Parken zu suchen und neue Lösungsansätze zur Rücknahme der Bevorrechtigung des motorisierten Individualverkehrs zu finden.
Hierzu ist auch ein attraktives Stadtbussystem unerlässlich.

Außerhalb der genannten beiden Themenschwerpunkte „Mobil ohne Auto“ und „Neugestaltung der Eberstädter Straße“ werden weitere Projekte unter Berücksichtigung der im Leitbild genannten Nachhaltigkeitsziele vorgeschlagen:

->> Renaturierung der Modau
bzw. Entfernung der Parkplatzüberbauung im Bereich der Kirchstraße sowie Fortführung der Eberstädter „Modau-Promenade“ durch Pfungstadt bis nach Hahn.

->> Schaffung von mehr Ruheplätzen und Straßenbegleitgrün in der Stadt

->> Verbesserung der Infrastruktur des Stadtteils Eich

->> Hervorhebung Pfungstadts als ehemalige Mühlenstadt (Außenwirkung)

->> Verbesserung des derzeitigen Zustandes der öffentlichen Gebäude

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Fazit

Diese erste "Bestandsaufnahme" soll den entsprechenden städtischen Ausschüssen zugeleitet und der Stadtverordnetenversammlung durch die Arbeitskreise vorgestellt werden.

Es bleibt die Frage, w i e relevante Bevölkerungsgruppen, Industrie, Gewerbe, Handel, Vereine und Parteien, Frauen, Jugendliche und Senioren in die Arbeit der Lokalen Agenda 21 integriert werden können, ohne Gefahr zu laufen, die Arbeitskreise als "Vertreterversammlung"" organisierter Interessen zu "missbrauchen" und damit nicht organisierte Bürger/Innen (so genannte "freie" Bürger/Innen, die keinem Verein, keiner Partei oder der Stadtverwaltung angehören) abzuschrecken.
Wichtiges Ziel bleibt also die Gewinnung neuer PartnerInnen, und damit das Kennenlernen der Wünsche und Ziele anderer, Kooperation und Konsens über gemeinsame Ziele, gemeinsames Handeln. Es kann nicht im Sinne der derzeitigen Arbeitskreismitglieder sein, dass Kinder und Jugendliche als kommende Generation(en) am Prozess der Lokalen Agenda 21 in Pfungstadt bisher so gut wie nicht beteiligt sind. Jugendgruppen, die außerhalb der Arbeitskreise an gleichen Themen arbeiten, sollten integriert oder zur Mitarbeit in dem entsprechenden Arbeitskreis aufgefordert werden, damit nicht nebeneinander gearbeitet wird.
Da die derzeitigen Arbeitskreise eher zufällig zusammengesetzt sind, ist es wünschenswert, ja unerlässlich, dass sich möglichst viele Pfunstädter/Innen zur (zeitweisen) Mitarbeit bereit erklären, um ein möglichst breites Themen- und Interessenspektrum abzudecken und den einzelnen Arbeitskreisen dadurch immer wieder neue Impulse von außen zu geben.


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